Cartagena Beach

Cartagena Beach

Donnerstag, 13. November 2014

Der Weg zur Gründerstadt ist beschwerlich

In Bolivien gibt es eine sonderbare Kraftstoffregelung: Für Bolivianer gibt es eine kräftige Subventionierung, Ausländer müssen dagegen ca. den dreifachen Preis löhnen. Dafür sind an den Tankstellen Kameras installiert, damit nicht geschummelt werden kann. Da die Tankstelleninhaber allerdings zusätzlichen Verwaltungsaufwand mit uns Ausländern haben, wurde uns bereits der Diesel einfach verweigert (es erscheint ratsam bereits bei halber Tankfüllung die nächste Tanke anzusteuern, zudem haben wir Reservekanister im Ben). Wir haben aber auch schon ("ohne Rechnung") einen ausgehandelten Preis gelöhnt bzw. außerhalb der Kamerasicht den Preis der Einheimischen bezahlt (der Tankwart saugte mittels Schlauch aus einem Kanister das Gesöff an und ab damit in den Tank). Auf der langen Fahrt von Cochabamba nach Sucre beschließen wir, die erste Tagesetappe mit wildem Campen an den Ruinen von Incallacta zu beenden. Der Parkplatz ist eine schöne Wiese in den Bergen, tückisch ist nur die Zufahrt, denn ein riesiger aus dem Boden ragender Stein in der Einfahrt erforderd Zentimeterarbeit, damit wir uns nicht den Fahrzeugboden aufreißen. Nach einer ruhigen Nacht begrüßt uns am Morgen a) die Sonne und b) ein Hund, den Jasper gerne in den Bus einladen möchte. Ginge es nach ihm und seinen herzlichen "Komm rein"-Einladungen, wäre unser Bus mit Hunden und Katzen bis unters Dach gefüllt ;-) Nach dem Frühstück wandern wir kurz zur Ruine, gänzlich ungestört, denn die Anlage scheint touristisch nur mäßig stark frequentiert, so dass auch das Kassenhäuschen zu keiner Zeit besetzt ist; die Ruinenstadt ist dabei doch eher groß und muss damals wirklich pulsierender Mittelpunkt der Region gewesen sein. Zurück am Bus müssen wir noch aufräumen, da der freundliche Hund unsere Mülltüte auseinander genommen hat, doch nachdem auch das getan ist, setzen wir die Fahrt nach Sucre fort. Zunächst sind wir ganz angetan vom Zustand der Asphaltstraße, doch kaum haben wir es ausgesprochen, verwandelt sie sich in eine ca. 100km lange Kopsteinpflasterstraße, in der tausend kleine und große Kieselsteine die Fahrbahndecke bilden. Es ist zwar einigermaßen gut zu fahren, aber zum einen rattert es einfach furchtbar laut, zum anderen sorgt die kurvenreiche Streckenführung dafür, dass wir selten schneller als 40km/h fahren können. Zur Mittagspause erreichen wir Aiquile, wo wir uns ein nur mittelgutes Süppchen einverleiben. Anschließend wünschen wir uns das Kopfsteinpflaster zurück, denn nun folgen kurze Asphaltstücke, vor allem aber Staub- und Sandpisten gemischt mit Baustellengerumpel - kurz um: Nach 240km, für die wir sechs Stunden brauchten, sind sowohl wir als auch der Ben total eingestaubt. Außerdem hat bei unserem Tipshift-Getriebe etwas ausgesetzt, so dass die Gänge 4-6 im Automatikmodus nicht mehr funktionieren; zum Glück können wir ja auch manuell schalten, so dass wir gut fahren können. In Sucre suchen wir daher auch einen Mechaniker auf, der a) sehr kompetent ist, b) viel mehr drauf hat, als die Werkstatt im Hof vermuten lässt, c) super Englisch spricht, d) im kommenden Jahr mit der Vorbereitung der Rallye Dakar zu tun hat und e) für die Untersuchung des Bens kein Geld haben möchte, da er zwar den Fehler lokalisieren, ihn aber nicht beheben kann, er rät uns, Mercedes in Chile aufzusuchen. Auch so kann man Städte kennenlernen....
Sucre hat in Bolvien einen besonderen Stellenwert: Die meisten Regierungsgeschäfte finden zwar in La Paz statt, doch gilt Sucre als Hauptstadt, da sie eine zentrale Rolle bei der Gewinnung der Unabhängigkeit hatte. Zudem wurde hier besonderer Wert auf die Erhaltung des kolonialen Stadtbildes gelegt, so dass an allen Ecken und Enden wunderschöne Gebäude, altehrwürdige Kirchen und historische Straßenzüge zu bewundern sind. Folgerichtig wurde Sucre in die Liste der UNESCO-Stätten aufgenommen. Um die ganze Pracht erblicken zu können, steigen wir auf die Kuppel der Prefectura. Von hier aus sehen wir dann auch noch ein besonderes Schauspiel: Als Zebras verkleidete Personen hopsen lustig auf Zebrastreifen herum. Wahrsscheinlich dient das der adressatenorientierten Verkehrserziehung. Zebrastreifen haben in Bolivien (und auch in den anderen bisherigen Stationen unserer Reise) maximal den Rang eines lockeren Hinweises, wo mann oder frau möglicherweise die Straße überqueren könnten, ohne dass damit eine Garantie für einen sicheren Übergang gegeben wäre. Vielmehr erkennt man Auto fahrende Ausländer daran, dass diese bisweilen anhalten, wenn Fußgänger die Straße überqueren wollen oder Ampeln auf "rot" schalten. Zur Belohnung erhält man dann auch ein verständnisloses Hupkonzert. Jasper findet die Stadt super, denn im Parque Bolivar gibt es einen großen Spielplatz mit Schaukeln, Rutschen und Wippen, dessen Optik vom Dinosaurier-Thema dominiert ist. Eigentlich hätten wir uns auch den ganzen Tag dort aufhalten können, denn seine Lieblingsbeschäftigung war das Ausprobieren aller, und ich meine wirklich ALLER Wippentiere, so dass man bei 10 Wippen ordentlich zu tun hat. Auch für Ben ist der Aufenthalt hier gut, denn er bekommt die langverdiente Glanzdusche sowie ein großes Enstaubungsprogramm von innen. Wir hoffen, dass die nächsten Strecken nicht so heftig werden, denn der feine Pulverstaub kriecht wirklich überall rein.
Morgen werden wir zur alten Silberminenstadt Potosì aufbrechen, das auf dem halben Weg nach Uyuni liegt, wo der große Salzsee auf uns wartet.

Montag, 10. November 2014

Das tropische Coroico

Kleine Anmerkung: Wie ihr als wohlgesonnene, aufmerksame Leserinnen und Leser bestimmt bemerkt habt, kommen unsere Posts derzeit unregelmäßiger und zeitliche Angaben wie "gestern, morgen Mittag" etc. mögen daher komisch klingen. Das Internet in Bolivien ist bislang das flächendeckend langsamste, daher können wir nicht immer zeitnah das Geschriebene hochladen.

Augenblicklich (8.11.2014) befinden wir uns in Coroico auf ca. 2000m, wo es tagsüber bis zu 40○C wird. Seine Lage, "gleich einem Adlerhosrt auf der Schulter des Bergs Uchumachi" (Zitat Lonely Planet), ist toll: Umgeben von waldreichen Bergen campen wir beim umwerfend schönen Hostal Sol y Luna, das dazu einlädt, sich den Tag über von der Hängematte, in den Liegestuhl ins Restaurant und wieder zurück zu bewegen und nicht weiter. Wagt man dennoch ein paar Schritte mehr, kann man das riesige Gelände erkunden, findet Miradore, viele Blumen, zwei Swimming Pools - kurz um, ein Platz zum Wohlfühlen, wenn es hier nicht auch ewig viele Stechmücken gäbe. In Coroico sind wir zwei Nächte geblieben, nach einer regenreichen Nacht sind wir am 9.11. früh gestartet, um die lange Fahrt nach Cochabamba anzutreten. Dass es geregnet hatte, war zwar sehr erfrischend, beunruhigte uns aber dennoch, denn der Weg hoch zum Sol y Luna war eng, steil und lehmig - und nun das ganze in nass? Unten im Ort erwartete uns eine steile Kopfsteinpflasterstraße, die uns Respekt abverlangte, denn das könnte rutschig werden. Ben und Markus haben sich aber tapfer geschlagen und uns alle sicher nach unten ins Tal gebracht! Wir verlassen also das tropische Coroico und klettern im Laufe des Tages auf 4.600m, wo wir plözlich von eisigem Wind und einem Gewitter mit sehr heftigem Hagelschauer empfangen werden. Einige Berge rundherum waren schon komplett weiß überzogen und auf der Windschutzscheibe sammelten sich Eisklumpen vor den Scheibenwischern, im Auto entstand durch den Hagel ein irrer Lärm. Als das überstanden war, lag eigentlich nicht mehr viel Strecke vor uns bis Cochabamba, aber dank mehrerer schwerbeladener LKW, die auch nicht zu überholen waren, kamen wir erst um 17:00 Uhr an. Wir waren total erledigt nach fast 10 Stunden Fahrt und außer einem formidablen Abendessen bei Burger King waren wir zu nichts mehr in der Lage als in die Betten zu fallen. In Begleitung vieler Polizisten und Menschen vom Roten Kreuz, die im Hotel zu einer Konferenz zu Gast sind, haben wir gefrühstückt und werden uns gleich auf den Weg machen. Wir haben entschieden, uns nicht weiter nach Osten zu bewegen, sondern in Richtung Sucre zu fahren, da wir noch Chile, Argentinien und zumindest einen Grenzübertritt nach Brasilien vor uns haben und wir uns am Ende  nicht sputen müssen wollen. Also, weiter geht's!

Donnerstag, 6. November 2014

Wandern am Titicacasee und Stillstand in La Paz

Nachdem wir uns ein Ticket für das völlig untermotorisierte und somit langsamste Boot auf dem Titicacasee gekauft hatten, kamen wir um 11 Uhr im Norden der Isla del Sol an. Wir besichtigten eine kleine Ruine und wanderten dann zunächst mit einem quengelnden, dann mit einem tief schlafenden Jasper auf dem Rücken gute 2,5 Stunden über die karge, aber schöne Insel. Außer verschiedenen Wandergrüppchen sieht man hier nur einige Schafe, Esel und Alpakas, die Insel ist dünn besiedelt und versorgungstechnisch abhängig von Copacabana. Die Wanderung auf 3900m ist anstregend, weil wir bei den Steigungen merken, dass einfach weniger Sauerstoff da ist. Da geht es uns wie den ausländischen Fußballteams, wenn sie in La Paz spielen - die bolivianische Nationalmannschaft kriegt bei Auswärtsspielen kein Bein auf den Boden, gewinnt aber zu Hause erstaunlich viele Spiele, weil sie an die dünne Höhenluft gewöhnt ist!
Nach 3 Stunden und einem lauwarmen Mittagessen fahren wir wieder zurück, wobei Jasper drei junge bolivianische Damen in seinen Bann zieht. Er verteilt auch ganz freundlich seine Salzbrezel, staubt seinerseits Schokokekse ab und gibt dann noch eine Runde Pixi-Bücher aus. Zurück auf dem Festland beenden wir den Tag ziemlich erledigt und krabbeln bald in die Betten, schließlich wollen wir weiter nach La Paz, dass nur 120km entfernt ist.

Auf dem wunderschönen Weg nach La Paz treffen wir Karin und Markus aus der Schweiz, die auf ihren Motorrädern unterwegs sind. Wir haben die beiden in Cusco kennengelernt und werden wie sie das Hotel Oberland in La Paz ansteuern. Die Fahrt fluppt und die Landschaft ist toll, hinter dem irrsinnig blauen Titicacasee ragen die schneebedeckten 6000der auf - bis wir die Außenbezirke von La Paz erreichen. Hier reicht eine kleine Baustelle rund um eine Straßenmündung aus, um den Verkehr völlig zum Erliegen zu bringen! Alles stockt, wir stehen Stoßstange an Stoßstange, wir brauchen ca. 45 Minuten, um 50m zurück zu legen, es ist unglaublich. Sobald sich eine Lücke auftut und es auf der einen Fahrbahn vorwärts gehen könnte, rauscht schnell jemand aus der Gegenrichtung rein, weil er glaubt, seine Chance aufs Vorwärtskommen gefunden zu haben.

Dennoch kommen wir irgendwann auf dem Campingplatz an, der mit Essen und für Jasper mit einem Spielplatz aufwartet. Wir treffen hier weitere alte und neue Gesichter und schauen uns noch am Abend das Valle de la Luna an, das uns in der Abendsonne mit seinen Felsformationen beeindruckt. Am folgenden Tag schauen wir uns die Stadt an, La Paz ist quirlig und verkehrsreich, dennoch mit überrascht viel Grün versehen. Auf dem Hexenmarkt sehen wir diverse Wässerchen und Tinkturen, eine Frau, die aus Cocablättern Vorhersagen macht und dann das: Föten von Alpakas und Vicuñas, die man zur rituellen Segnung beim Hausbau einsetzt - soll Glück für den Bau, das Haus und seine Bewohner bedeuten. Nun gut, andere Religionen verschönern das Eigenheim mit Gefolterten bzw. am Holzkreuz Aufgehängten. Jedem das Seine.

Mittwoch, 5. November 2014

Nachtrag Peru

Was noch zu ergänzen wäre: In Puno haben wir das Schiff "Yavari" besichtigt. Es ist das älteste Schiff auf dem Titicacasee, dem größten Hochlandsee der Welt (auf 3808 m Höhe). Dieses Schiff wurde in England gebaut und in 2766 Einzelteilen zuerst nach Arica verschifft (diese chilenische Stadt gehörte früher einmal zu Peru), dann per Zug nach Tacna gebracht und schließlich mit Maultieren und 1000 Arbeitern über die Anden nach Puno gebracht. Der Transport dauerte 6 Jahre und das Zusammenbauen abermals 4 Jahre. 1870 durfte die Yavari dann endlich auf den Titicacasee und war dann 100 Jahre in Dienst. Zwischendurch musste dass Schiff noch einmal etwas verlängert werden. Kohleknappheit führte dazu, dass als Ersatzheizmittel Lamadung verwendet wurde, dafür brauchte man etwas mehr Lagerraum.
Kurz vor unserem Grenzübertritt machen wir noch einen Stopp in Pomata. Wir haben vernommen, dass es hier ein besonders eindrucksvolles Gotteshaus geben soll. Diesen Tipp können wir bestätigen. Die Fassaden schmücken eindrucksvolle Ornamente und auch das Innere bietet schöne Anblicke und Skurriles: Sabrina entdeckt in einer Nische einen Schädel.
Rückblick Peru: Wir haben im Vorfeld sehr unterschiedliche Meinungen zu und über Peru gehört. Diese Vielfalt können wir nunmehr einordnen. Peru kann mit seinen einzigartigen Tempeln, Ruinen und Kulturgütern restlos begeistern. Peru kann einen mit seinen eigenen Spielregeln eiskalt erwischen und frustrieren. Wir erfuhren in vielen Orten eine großartige Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft und gleichsam lässt sich besonders in Touristenhochburgen nicht verleugnen, dass Fremde bisweilen nichts mehr als Einnahmequellen sind (und bisweilen verhalten wir Fremde uns wohl auch genauso). Peru bietet innerhalb weniger Fahrstunden eine Vielfalt an Klimazonen, von schneebedeckten Bergen bis zu wüstenähnlichen Abschnitten. Peru hat ebenfalls von Müllbergen und Dreck strotzende Straßenabschnitte und Stadtteile. Kulinarisch wird einiges geboten: Man kann für wenig Geld gut speisen, aber auch das Pech haben, Herz oder Hühnerfuß in der Suppe zu finden. Auch der Anblick von Cuy (Meerschweinchen) lässt bisweilen Assoziationen zu gebratener Ratte aufkommen. Und letzten Endes liegt es wohl (wie so oft) an der eigenen Einstellung und aktuellen Stimmung, ob diese Vielfalt staunend und interessiert beobachtet wird oder zu Missbilligung und dem Wunsch führt, möglichst schnell das Land zu verlassen. Hier noch ein paar harte Fakten: Die Spritpreise sind deutlich höher als in Ecuador. Die Maut ist recht günstig, es empfiehlt sich aber alte Belege aufzubewahren, um bei einer falschen Fahrzeugeinordnung Einspruch zu erheben. Die Straßen sind größtenteils in einem guten Zustand, dennoch wird aufgrund der Höhe das Auto bisweilen leistungsmäßig an die Grenzen geführt (eventuell vorher das Auto noch einmal in der Werkstatt prüfen lassen). Zwischen den einzelnen Zielen liegen (zumindest war das bei uns so) sehr weite und lange Strecken, so dass wir deutlich mehr Zeit im Auto verbringen mussten (gute Hörspiele helfen da!). Es gibt in Peru deutlich mehr Traveller und auch Overlander als in den beiden Station vorher, das erleichtert manchmal die Reiseplanung, da man sich gut austauschen kann. Besonders in Machu Picchu lohnt es sich, sehr (!) früh aufzustehen, da die Besuchermassen einem dieses einzigartige Erlebnis schnell vermiesen können. Zur Politik: Wahlkampf ist eng mit Symbolen verknüpft. Jeder Politiker hat ein Zeichen (Sandale, Haus, Orange, etc.), welches bei der Wahl angekreuzt werden muss. Eine feine Methode, um auch Menschen zu erreichen, die des Lesens nicht mächtig sind. Wäre es nicht nett, dieses auch in Deutschland einzuführen? Für die CDU einfach das Symbol "schwarze Koffer" ankreuzen.

Sonntag, 2. November 2014

Bolivia - Land Nr. 4

Gestern Mittag erreichten wir den Grenzübergang nach Bolivien am Titicacsee, die Migrationsangelegenheiten waren schnell erledigt, auf die Männer vom Zoll zur Anmeldung des Autos mussten wir eine Stunde warten - wer will schon in der Mittagspause gestört werden!? Dann sind wir nach Copacabana gefahren, einem kleinen Ferienort am Titicacasee, der einerseits von den Touristen lebt, die wegen des Sees und der Inseln kommen, andererseits von denen, die zur Autosegnung kommen. Debbie vom Café Pan America, die seit mehr als drei Jahren hier lebt und Projekte zur Gesundheitsförderung anschiebt, erzählte, dass es für die Priester Marathontage bedeutet - acht Stunden Durchsegnen kann echt schlauchen. Die Autos stehen Schlange, sind geschmückt mit Glitzer, Partyhüten, Blumen und Konfetti, nach der Segnung werden die Wagen mit Schampus oder Bier, je nach eigenem Budget, begossen, der Rest fließt in die Kehlen der Fahrer, gute Fahrt!
In den vergangenen Tagen sind uns außerdem unzählige Drachen am Himmel aufgefallen, wir dachten es läge an den Feiertagen, dass die Großen und die Kleinen mehr Zeit zum Drachensteigen haben. Doch nun wissen wir mehr: Zu Allerheiligen ziehen die Familien zu den Friedhöfen, bringen vor allem den kürzlich Verstorbenen ihre Lieblingsspeisen und verbringen dort gesellige Stunden im Kreise der Familie - sieht aus wie eine nette Party, nur eben auf dem Friedhof! Die Menschen glauben, dass die Seelen der Verstorbenen für einige Stunden zu ihren Verwandten auf die Erde kommen, um mit ihnen zusammen zu sein. Damit sie auch den richtigen Weg finden, lassen sie Drachen steigen, auf denen sie dann nach unten reiten können! Außerdem gibt es in diesen Tagen besonderes Backwerk, eine Art kleiner Hefezopf, in die Keramikgesichter eingebacken werden, um an die Gesichter der Verstorbenen zu erinnen. Das Gebäck sieht ein bißchen nach Weckmann zu St. Martin aus.
Den heutigen Tag (2. November) haben wir dem gepflegten Nichtstun verschrieben, haben ihn mit dem Frühstücksbuffet in dem Hotel, bei dem wir campen, begonnen und haben außer Tretbootfahren und Rumlungern nichts weiter geplant. Wir sind Debbies Hinweis nachgegangen und spazierten zum Cemeterio Central, was für ein Treiben! Viele Familien, die Unmengen an Brot und anderen Lebensmittel mitbringen, es wird gesungen, musiziert, geweint und gelacht zugleich. Einem Drittel unserer Reisegruppe steigt vor lauter Gerührtheit das Wasser in die Augen, woraufhin Jasper lieber zu Markus auf den Arm möchte ;-)
Morgen wollen wir dann mit dem Schiff zur Isla del Sol fahren, dort einige Stunden wandern und am Abend nach Copacabana zurückkehren.

Freitag, 31. Oktober 2014

Eisige Nächte, Grabtürme und vom Kondor befreite Täler

Nach einem tollen Aufenthalt in Ollantaytambo brechen wir auf, um uns schon mal in die Peripherie des Titicacasees zu begeben. Auf unserer Route liegt der Ort Urcos, von dem wir dachten, dass er uns ein gutes Mittagessen offerieren könnte - falsch gedacht! Kulinarisch ein Flopp, dafür umso unterhaltsamer, denn die das "Restaurant" enternde Meute veranstaltet ein kleines Fotoshooting mit dem Muck. Jaspers Hauptaufmerksamkeit gilt aber dem kleinen Becher mit Wackelpudding, von dem er dann zwei stolz wie Oskar zum Bus zurückträgt. Unser nächster Übernachtungsplatz ist ein Canyon, der uns einen tollen Sternenhimmel und klirrend kalte Temperaturen in der Nacht bietet, inklusive Eiskratzen am kommenden Morgen! Dennoch ist es ein toller Stopp gewesen (Danke, Birgit!), denn der Canyon ist wunderschön. Allerdings ist es manchmal gar nicht so einfach, auf ca. 4000m bei niedriger Temperatur zu schlafen, denn ich hatte in der Nacht das Gefühl, dass mir die eiskalte Luft gar nicht ausreichend Sauerstoff bietet. Erschwert wurde das Durchschlafen zudem dadurch, dass es um Mitternacht an der Bustür klopfte - Leute aus dem Dorf, die wissen wollten wer wir sind. Es ging wohl nur darum auszuschließen, dass wir ja keine Viehdiebe sind, aber mein Auftritt mit Kopfkissenfrisur und Schlafanzug war wohl authentisch und überzeugend.
Am nächsten Morgen fuhren wir nach Sillustani Grabtürme besichtigen, deren Wow-Faktor hinter dem der sie umgebenden Landschaft zurückblieb. Wieder auf der Straße haben wir auch den Ort gefunden, wo man definitiv nicht einmal tot über dem Zaun hängen möchte: Juliaca! Die Stadt ist eine einzige Baustelle, es gibt kaum Straßen mit Asphaltbelag, nur riesige Löcher und Tonnen von Staub auf der Hauptverkehrsstraße und total verrückte Verkehrsteilnehmer: Wenn es nicht so recht weiter geht auf der Straße, drängt man einfach von allen Seiten auf die Kreuzung, bis sich keiner mehr bewegen kann. Insgesamt werden wir den Ort in den nächsten Tagen dreimal passieren , beim dritten und letzten Mal mit erneut verschärften Bedingungen, da sich ein unübersichtlicher Markt auf den Straßen ausgebreitet hat - grauenvoll!
Doch nun weiter, unser Ziel ist der Colca Canyon, der erstens schön und zweitens Condor-Gebiet sein soll. Dafür durchfahren wir der/die/das Altiplano (die peruanische Hochebene). Der Ben muss ziemlich kämpfen, da auch er auf bis zu 4900 Metern schlecht Luft bekommt (neuer Höhenrekord). Am höchsten Punkt bestaunen wir neben den in der Ferne zu sehenden Vulkanen auch tausende von Steinstapeln, die Reisende wohl als Glücksbringer gebaut haben. Nachdem wir auch noch Flamingos sehen durften, machen wir abends Halt in Chivay, wo wir nach einem super Abendessen mit Hähnchen und Pommes müde in unsere warmen Schlafsäcke kriechen. Am nächsten Morgen starten wir früh um 6 Uhr, um gegen 7:30 beim Cruz del Condor zu sein. Doch das Glück ist uns nicht hold, die Condore zeigen sich an diesem Morgen nicht, dafür haben wir nette Leute aus Brügge kennen gelernt, die Jasper mit Getränken und Keksen versorgten. Anschließend gönnen wir uns in Cabanaconde ein zweites Frühstück in Begleitung der freundlichen Alpaka-Dame Nives, bevor wir nach Arequipa fahren. Dies Stadt gefällt uns wirklich ausnehmend gut, koloniale Architektur, nette Geschäfte, tolle Kirchen und ein riesiges Kloster, das Teile der Altstadt einnimmt. Unser Campingplatz am Hotel Las Mercedes ist 5 Gehmiuten vom Zentrum entfernt und Jaspers Highlight ist das Wohnzimmer, das als Aufenthaltsraum für alle Gäste zugänglich ist. Geschwungene Biedermeierstühle, ein Kamin, Teppichboden, eine Standuhr und Keramik-Rehe, die Jaspers ganze Aufmerksamkeit einnehmen. Ich sah uns schon Ersatz kaufen, weil er mit ihnen so intensiv spielte, aber es ging alles gut. Die Stadt erfreut uns mit tollen Cafes und Restaurant, auch eins, in dem man köstliches Alpakafleisch und viele Kartoffelsorten probieren kann - obwohl Peru das Kartoffelland ist, gibt es bei den einfachen almuerzos immer nur die Standardkartoffel oder Pommes als Beilage. In Arequipa verbringen wir drei Tage, auch weil es auf dem Campingplatz mit Lieke und Jackie, Bernd und Heike so nett ist. Schließlich kommen auch noch Camil und Javiera mit ihren Kindern Mila und Noah an, die wir ganz zu Beginn unserer Reise in Medellin getroffen hatten. In Nullkommanix verwandeln die Kinder das Wohnzimmer in ein Spielzeugparadies, und Jasper ist so ins Spielen vertieft, dass ihm das Abendessen völlig kalt lässt. Heute dann sind wir weitergereist, haben erneut Juliaca passiert (da gab's eine Portion schlechter Laune gratis im Vorbeifahren), ich (Sabrina) habe die Kaffeekanne geschrottet und der angesteuerte Platz in Puno stelle sich als 4 Sterne-Hotel heraus, dass 80 Soles für den Parkplatz haben wollte. Also haben wir Puno verlassen und sind nun in Chucuito am Titicacasee angekommen. Das wird unser letzter Stopp in Peru sein, danach winkt Bolivien von der anderen Seite des Titicacasees - wir sind gespannt!

Freitag, 24. Oktober 2014

Das heilige Tal

Die Fahrt geht los... und endet nach ein paar Kilometern schon wieder. Der Ben verliert vorne rechts Luft. Der Mechaniker an der nächsten Ecke löst das Rad, entdeckt die undichte Stelle, entfernt den kleinen Nagel, flickt das Loch, montiert den Reifen wieder, das alles in ca. 20 Minuten und verlangt dafür umgerechnet ca. 2 Euro. Was für eine tolle Erfahrung nach der letzten Rechnung. Nachdem wir kurz  mit dem Gedanken spielten, einfach so noch einmal in einen Nagel zu fahren, fuhren wir dann doch weiter nach Moray. Hier haben die emsigen Inkas in einem Tal kreisrunde "Versuchs-"Terassen gebaut. Was früher eine effektive Variante der Wassernutzung und -verteilung war, sieht heute primär schön und interessant aus. In Moray laden wir Anna und Pedro aus Spanien bzw. Portugal ein und ruckeln auf Sandpisten weiter zu den Salinas de Maras. Ein kleines Flüßchen wäscht das Salz aus dem Berg und wird in hunderte am Hang angelegte Becken zur Salzgewinnung geleitet.
Anna und Pedro begleiten uns auch noch nach Ollantaytambo. Hier haben die Conquistadores gegen die Inkas eine der wenigen Schlachten verloren. Die großen Steine für diese mächtige Festung und Tempelanlage wurden hoch in den Bergen geschlagen und dann hierher transportiert. Eine unglaubliche Leistung, wenn man bedenkt, dass die Inkas das Rad bzw. die Rollen nicht kannten.
Und dann ist es soweit: Früh am nächsten Morgen (um den Massen zu entgehen), fahren wir mit InkaRail nach Aguas Calientes und mit dem Bus weiter die Serpentinen hinauf zur Anlage Machu Picchu. Ja, es ist eine Massentouriveranstaltung. Ja, es ist eine Gelddruckmaschine. Ja, bisweilen kommt man sich vor, als würde man wie Vieh durch die Wege getrieben. Und doch, der Anblick hat uns den Atem verschlagen (oder das Treppensteigen). Die spektakuläre Lage inmitten von Bergen ist einfach ehrfurchteinflößend. Offiziell gilt der Amerikaner Hiram Bingham als Wiederentdecker der Anlage (1911). 1874 hatte allerdings ein Deutscher mit dem "no-go"-Namen Hermann Göhring diese Region inklusive Machu Picchu (auf Quechua in etwa "alter Berg") bereits karthographiert. Doch wie es meistens ist, die dort lebenden Farmer wussten schon viel früher von der Anlage (sie führten die Entdecker jeweils zu den Ruinen), maßen diesen Steinresten aber weniger Bedeutung zu. Das hat sich nunmehr geändert. Machu Picchu ist seit 1983 ein Weltkulturerbe der UNESCO und gilt als bedeutenstes archäologische Monument in Südamerika und ist das Highlight der Inkakultur bzw. des architektonischen Genius dieser Kultur, obwohl über den ursprünglichen Zweck der Anlage weiterhin Unklarheit herrscht.
Jasper hat sich wacker im Tragerucksack durch die Anlage tragen lassen. Im Gegensatz zu seinen Eltern war er dann aber doch eher von den JoJo-Fertigkeiten einiger Kinder auf dem Markt angetan als von alten Steinen auf hohen Bergen. Die Anlässe für Begeisterung sind halt eine sehr individuelle Angelegenheit.