Wir erreichen Cordoba am Samstagnachmittag und wie jede größere Stadt verfügt auch Cordoba über einen Camping Municipal, der einerseits Campingplatz, anderseits Naherholungsort für viele ist. So ist recht viel los, Gruppen von Autos und noch mehr Menschen platzieren sich rund um die gemauerten Grills, es tönt Musik aus allen Ecken, und das keineswegs nur aus den Boxen. Viele Leute singen, spielen Gitarre und lassen die Getränke kreisen, auf den Grills bruzeln z.T. ganze Ferkel. Die Menschen genießen das sonnige Wochenende in vollen Zügen, und wenn es nicht gegen halb neun einen kräftigen Schauer gegeben hätte, wären die sangesfreudigen Argentinier wohl bis spät in die Nacht geblieben. Wir verbringen den ganzen Nachmittag dort, die Hitze ist zu heftig, als dass wir uns aufraffen könnten in die Stadt zu fahren. Das holen wir am nächsten Morgen nach, betrachten eine freie Ausstellung im Paseo de Buen Pastor, schlendern durch die Fußgängerzone und an schönen Plätzen und Kirchen vorbei. Das, was fehlt, sind die Menschen. Am Sonntagvormittag ist Cordoba wie ausgestorben, nur wenige verirren sich ins Zentrum, was wirklich schade ist, denn etwas Lebendigkeit würde uns gut gefallen. Doch es ist nicht einfach, die richtige Zeit für einen Stadtbummel abzupassen: Viele Läden öffnen ab 10h, haben bis ca. 12:30h geöffnet, schließen dann bis um 17/18 Uhr und bieten dann bis abends die Möglichkeit zum Einkauf. Hinzu kommt die strikte Sonntagsruhe (am Vormittag) in Argentinien, was in vielen anderen Ländern nicht so war. Nimmt man noch die Feiertage hinzu, nun, da kommen nicht viele Geschäftszeiten zusammen. Andererseits bietet sich so eine beeindruckende Kulisse für Filme (28 days later, High Noon, etc.). Nach einem leckeren Mittagessen und einem sehr teuren Kuchen beenden wir den Stadtausflug und kehren zum Campingplatz zurück, der inzwischen wieder aus allen Nähten platzt. Tausende Familien, Gruppen von Männern, Barden, Troubadure - kurz: Die Fortsetzung vom Samstag ist in vollem Gange! Am späten Nachmittag bekommen wir Overlander Gesellschaft in Form eines riesigen MAN-Trucks, drinnen Stephen, Gilian, Alison und Lucy, die seit 18 Monaten unterwegs sind und noch weitere 2,5 Jahre reisen wollen. Der Grilltrupp neben uns geht auf Tuchfühlung mit Jasper und Markus, Jasper staubt zwei Würstchen ab und Markus eine Sporthose, ein Freundschaftsgeschenk an den, der mit dem Fußball zaubern kann. Wir lassen den Abend mit Gilli und Stephen ausklingen, als die Kinder in den Betten verschwunden sind.
Am nächsten Tag starten wir nach Rosario, machen unterwegs Halt an einer Raststätte, die von außen nur mittelgut aussieht, drinnen aber WiFi und ein schmackhaftes wie riesiges paniertes Hühnchen und Kartoffelpüree bietet. Das Radio belustigt uns mit einer verspanischten Version von 'Gangnam-Style', um uns danach völlig unvorbereitet auf eine Zeitreise zu schicken mit 'Herz aus Glas' von der Münchner Freiheit! In Rosario erwartet uns einerseits der städtische Campingplatz und zweitens Regen, Regen, Regen und jede Menge Donner und Blitz von 15 Uhr bis in die späten Abendstunden. Wir halten uns recht tapfer zu dritt im Bus, beschließen dann aber, zur Erbauung den großen Carrefour-Tempel am frühen Abend aufzusuchen, damit wir noch mal ein wenig mehr Bewegungsfreiheit genießen können. Nach köstlichen Empanadas lassen wir den Abend ausklingen und hoffen, dass der nächste Tag sonniger wird (fiat lux), und so ist es. Wir frühstücken in bruzeliger Sonne und fahren ins Zentrum von Rosario, das einst als mögliche Hauptstadt Argentiniens im Gespräch war. Die Stadt gefällt uns gut, auch wenn das Monumento de la Bandera marzialisch daher kommt. Zwischen leider recht vielen Bausünden der 60er und 70er Jahre finden sich tolle Gebäude mit verzierten Fassaden, imposanten Fensterbögen und viele Figuren. Wir steuern mal wieder einen diskreten Ort zum Blue Dollar -Umtausch an, diesmal die Bar Pico Fino, in der ruckzuck die Scheine die Besitzer wechseln. Schön dabei ist, dass wir uns direkt gegenüber der Banco Nacional befinden, wenn die wüssten.... würden sie wahrscheinlich auch nix dagegen machen.
Da wir noch ein wenig Zeit bis zum 23.12. haben, ab dem wir unser Hotel in Buenos Aires beziehen, machen wir einen Ausflug in nördliche Richtung zum Parque Predelta. Es ist ein kleiner Nationalpark, der Lagunen, Flüsse, viele Vögel sowie freien Eintritt und kalte Duschen bietet. Zusammen mit vielen Moskitos, unzähligen Glühwürmchen und anderem Krabbelvieh, das - ganz argentinisch - gegen Abend aktiv wird, werden wir hier eine ruhige Nacht in der Natur verbringen. Für Verhaltensforscher bietet dieser Park erstaunlich viele Hinweise auf operante Konditionierung: Die Vögel landen hemmungslos neben unseren Tellern, um das ein oder andere Stückchen zu stiebitzen. Fische patrollieren am Ufer entlang, da wohl einige Besucher bereits Brot in den Fluss geworfen haben. Uns bleibt die Hoffnung, dass die hier beheimateten Schlangen kein ähnliches Annäherungsverhalten zeigen. Gute Nacht!
Eine Tour durch Südamerika! Mit unserem blauen Bus starten wir in eine Reise voller Erlebnisse und Begegnungen. Von Cartagena in Kolumbien führt uns die Route durch Ecuador, Peru, Bolivien, Chile, Argentinien, Uruguay, Paraguay und Brasilien, bis sie letzten Endes in Montevideo endet. Wir, das sind Sabrina, Markus und Jasper, freuen uns auf unsere große Reise zu dritt!
Cartagena Beach
Samstag, 20. Dezember 2014
Weekend Feeling in Córdoba, Schlendern in Rosario, Tierstudien im Nationalpark
Dienstag, 16. Dezember 2014
Immer weiter....
... westwärts führt uns die schnurgerade Straße, gesäumt von Sträuchern und Büschen, jedoch leider nicht so sehr von Tankstellen, die wir dringend brauchen. Nachdem wir hundert Kilometer weiter endlich auftanken können, fährt es sich entspannter und flotter. Nach dem schönen Ort Villa Dolores kommen wir der Sierra Grande und den Cumbres de Achala näher, die mit vielen feinen Örtchen und einer tollen Landschaft aufwarten - nach den dürren, brauen Ebenen in Chile eine wahre Augenweide! Ebenfalls eine Augenweide ist die Bandbreite dessen, was sich auf der Straße bewegt. Natürlich sind hier alle Automarken und Modell vertreten, die es auch bei uns gibt, aber eben auch solche, die bei uns schon "ausgestorben" sind, wie Ford Taunus und Ford Granada, Opel Kadett und auch der kleine Fiat 127, mein erstes Auto! Darüber hinaus haben wir in keinem Land auf der Reise so viele französische Wagen gesehen wir hier, und dass Peugeot einen Pickup im Programm hatte, das war wohl eine südamerikanische Besonderheit (die Begeisterung für derlei Sachverhalte ist eher bei Sabrina groß, Anmerkung des Lektors). Auch besonders ist der Anblick der schon aus Chile bekannten "kleinen Friedhöfe" rechts und links der Straße, nur dass hier z.T. Berge von Plastikflaschen an den Gräbern gestapelt werden, warum auch immer...
Unser nächster Stopp ist Villa Carlos Paz, beliebter Ferienort und mittelgroße Stadt, die alles bietet, was man braucht und noch mehr, denn das besondere Wahrzeichen der Stadt ist eine hausgroße Kuckucksuhr, eingespanischt heißt es dann El Reloj de Cu Cú. Der A.C.A.-Campingplatz des argentinischen Automobilclubs ist für zwei Tage unser Basislager, von dem aus wir die schöne Gegend erkunden. Das Wetter spielt nur in Teilen mit, es gibt immer wieder Gewitter mit kleinen und großen Schauern, so dass wir froh sind, mit dem Ben durch die Gegend zu fahren. Es geht vorbei an hübschen Orten, die sich allesamt dem Tourismus verschrieben haben, tausenden Töpferläden, wunderschönen Bushaltehäuschen hin zu groteskt häßlichen, noch im Werden stehenden Skuplturen, bei denen man darauf hoffen kann, dass es nie zur Vollendung kommen wird. Wir machen einen Abstecher ins Paradies (El Paraiso), und es sieht wirklich malerisch aus: Kleiner Fluss unterhalb der großen Staumauer, der sich durch Grashügel schlängelt, große Bäume, kleine Rastplätze - wunderschön (Markus rät zur Formilierung visuell ansprechend, da ich wunderschön überstrapaziere). Die Gegend scheint energetisch bedeutsam zu sein, auf jeden Fall zog und zieht sie viele Menschen an, die dafür empfänglich sind. Das schlägt sich auch in der Gestaltung des Ortes nieder, es gibt Energiepyramiden, in die man sich zur Meditation zurückziehen kann, ein UFO- Informationszentrum (ja, sie scheinen hier mehrfach gesichtet worden zu sein!) und unzählige Fernost-Massage/-Therapie etc. -Angebote. Zweiter Besuchermagnet in Capilla del Monte ist eine Felsformation, die optisch an einen Schuh erinnert und daher schlicht " El Zapato" heißt, hübsch rundherum dekoriert mit einem Mini-Spaßpark mit Rutschen und den üblichen Verdächtigen in puncto Kunsthandwerk. Zu Villa Carlos Paz ist ansonsten noch zu sagen, dass wir hier die zweite Variante des schwarzen Geldtauschs kennen lernen. Auf der Frage, wo wir zum curso parallelo tauschen könnten - der übrigens immer mehr zu unseren Gunsten ausfällt, je näher wir Buenos Aires kommen - bekommen wir folgende Anweisung: Geht diese Straße weiter gerade aus, überquert die Kreuzung und am Restaurant sowieso gibt es eine kleine Tür; dort klingelt ihr und fragt nach Vincente, wie im Film (& Vicente sieht auch ein wenig aus wie Kojak!)! Vincentes Büro ist professionell ausgestattet inklusive Security Cam und Geldzählmaschine, und dafür, dass es keiner wissen darf, ist die Bude doch arg frequentiert.
Am nächsten Morgen fahren wir südwärts nach Alta Gracia, einem wunderschönen (und schon wieder) Städtchen mit alten Häusern, welches aus zweierlei Gründen einen Besuch wert ist: Eine große Jesuiten-Estancia aus dem Jahre 1643 sowie das Haus der Familie Guevara, in dem Che seine Kindheit und Jugend verbrachte. Wir statten Ches Zuhause einem Besuch ab und sind ganz angetan von dem kleinen, aber feinen Museum, dass im Jahr 2006 auch von Fidel Castro und Hugo Chavez besucht wurde. Insgesamt gefällt uns der Ort sehr gut und wir genießen die freundliche Wochenend-Atmosphäre rund um die Plaza und in der tollen Bäckerei, die uns mit Medialunas (Hörnchen oder Croissants) und Facturas (Puddingsteilchen) begeistert, bevor wir unsere Fahrt fortsetzen. Wir fahren durch eine grüne Mittelgebirgslandschaft, die man auch irgendwo in Deutschland finden könnte, bis wir plötzlich im Voralpenland angekommen, das sich im autofreien La Cumbrecita manifestiert: Häuser in Alpenarchitektur, Balkone mit geschwungenem Geländer, Läden, die selbstgebrautes Bier anbieten, hübsch gepflegte Wanderwege und überall Mülleimer, die zur Mülltrennung einladen - wie Zuhause! Und es ist wirklich frappierend, aber selbst die Landschaft scheint sich daran zu halten süddeutsch/österreichisch zu wirken. Wir schlendern einige Stunden herum und fahren dann weiter nach Villa General Belgrano, das sich rühmt, das größte Oktoberfest in Argentinien zu veranstalten, neben dem Torten- und dem Schokoladenfest versteht sich. Wir landen auf dem Campingplatz von Bettina und Ralph, letzterer kommt aus Hamburg und rät uns zum Besuch der Räucherkate in Stiepelsee, die von seinem Cousin Jürgen betrieben wird, wenn wir wieder zurück sind. Klein ist die Welt! Am nächsten Morgen fallen wir aufgrund unseres kleinen Wagens mit dem deutschen Nummernschild im Städtchen direkt auf, und wir werden wiederholt auf Deutsch angesprochen, ja, wie toll, dass wir aus Deutschland seien und dass wir den Aufenthalt genießen mögen. Villa General Belgrano wurde von Deutschen begründet. Georg Kaphuhn und Paul Heintze kauften 1932 ein ausgedehntes Gebiet, parzellierten es und boten es in den deutschsprachigen Ländern an. Später kamen auch italienische und spanische Familien, die Mehrheit blieben jedoch Deutschsprachige, so beispielsweise auch zahlreiche Überlebende des deutschen Kriegsschiffes Graf Spee, das sich 1940 im Río de la Plata vor Montevideo selbst versenkt hatte. Als wir uns zum Mittagessen im Cafe Rissen niederlassen, gibt es als Vorspeise Brot mit Leberwurst, welch eine Freude für zwei Drittel unserer Reisegruppe! Wir schlendern vorbei an Läden mit Namen wie Edelweiss, Engel, Sonnenplatz und Veilchental, man kann Bier von "Don Otto" oder "Otilia" kaufen und es sich zwischen Wimpeln und Bierhumpen mit Wappen gemütlich machen. Es ist echt schräg, wenn einem Argentinier mit dezentem Trachtenkleid oder Joppe entgegenkommen und so beschließen wir nach dem Mittagessen, dem Heimatverein den Rücken zu kehren und nach Cordoba zu tingeln.
Montag, 8. Dezember 2014
... und jetzt Argentinien
Es verbleiben uns noch ca. 1 1/2 Monate in Südamerika, bevor wir erst einmal wieder nach Deutschland fliegen. Obwohl das noch eine recht lange Zeit ist, fühlt es sich doch bereits wie ein sehr nahes Reiseende an. Eventuell liegt das auch daran, dass wir jetzt Richtung Osten fahren und somit unserem Abflugort immer näher kommen. Der Grenzübertritt war dieses Mal sehr einfach, da die chilenischen und argentinischen Beamten gleich nebeneinander im Grenzhäuschen saßen. Durch ein herrliches Gebirgspanorama fahren wir zu unserem ersten Stopp, der Puente del Inca. Das hat nichts mit den Inka zu tun, hört sich aber besser an als "durch Erosion entstandene Steinbrücke über den Rio Mendoza". Ein beeindruckendes Naturwunder ist es aber allemal. Wunderlich ist auch, dass vor uns eine weite, flache Landschaft liegt, die sich in der sengenden Hitze unendlich weit ausdehnt. Schauen wir in den Rúckspiegel, sehen wir die hohen Berge der Cordillieren mit ihren schneebedecktten Gipfeln, allen voran der 6962m hohe Aconcagua. In Uspallata wollen wir unseren ersten Campingplatz in Argentinien ansteuern und dafür noch etwas einkaufen. Erste kulturelle Erfahrung: Es gibt eine Mittagspause, die unbedingt eingehalten wird und je nach Stadt auch mal bis 18 Uhr dauern kann (Siesta!). Wir finden ein nettes Cafe, in dem uns die lange Mittagspause nichts anhaben kann im Ort, der eigentlich ein Wintersportort ist - zumindest künden die vielen Skier davon, die an der Decke der Casita Suiza lagern. Nach einer ruhigen Nacht auf dem Campingplatz wachen wir zu unserer Überraschung erst um 9 Uhr auf! Seit Santiago ist unser Tagesrhythmus voll auf den Kopf gestellt, da wir deutlich später ins Bett gehen, weil es seeeehr lange hell und v.a. heiß ist. Wir starten nach dem Frühstück mit der Besichtung der Petroglyphen am Cerro Tunduqueral, wo uns der Guard fachkundig eine Miniführung zu den zwischen 3000 und 10000 Jahre alten Steingravuren gibt. Danach fahren wir weiter auf staubiger Piste zum Cerro de 7 Colores, der in wirklich vielen Farben in der Sonne leuchtet. Anschließend geht es weiter nach Mendoza, dem Weinanbaugebiet Argentiniens, wo es den besten Malbec der Welt geben soll.
Nachdem wir den Campingplatz (mit Pool) erreicht haben, sinkt die Attraktivität einer Tour durch die unzähligen Weinberge dramatisch. Sprachen wir am Morgen noch davon, dass wir die Idee mit dem Rad zu den Bodegas zu fahren super fänden, scheint uns eine zu buchende Tour plözlich sehr verlockend, bis wir beschließen, von der Tour Abstand zu nehmen, da es einfach brüllend heiß ist. Wir machen nur einen kurzen Rundgang durch Mendoza, eine Stadt mit vielen breiten Alleen und netten Plätzen, die aber aufgrund des hiesigen Feiertags samt und sonders ausgestorben sind (Mendoza im stand by-Modus). Ein Highlight ist der Versuch, Geld umzutauschen. Wo wir sonst einfach immer zum Geldautomaten gegangen sind, wählen wir in Argentinien ein anderes Vorgehen, da der "offizielle" Kurs 1:8 am Automaten aufgrund der Wirtschaftskrise nicht der beste ist. Wir haben schon in Uspallata im Hotel Dollar zum Kurs von 1:11 getauscht und suchen auch hier ein Hotel auf. Konspirativ sagt die Dame an der Rezeption, dass sie das nicht dürfe, aber wenn wir ihr folgen wollten, zeige sie uns, wo wir tauschen könnten. Wir gehen 10 Meter zu den Hoteltaxis, dort steigt Markus auf Bitten den Fahrers ein. Er lässt den Motor an - wo will er mit Markus hin? Alles gut, er machte den Motor an um die Klimaanlage laufen zu lassen, wie nett.
Der nächste Tag beginnt mit einem ausgedehnten Frühstück, dann brechen wir auf nach Maipu. Hier, nur wenige Kilometer von Mendoza entfernt, reihen sich die Bodegas aneinander, man hat die Qual der Wahl. Wir spazieren zum nationalen Weinmuseum, das in einer schicken Jugendstil-Villa beheimatet ist. Hier lebten zwei Einwanderer, die vor geraumer Zeit das erste große Weingut in Maipu gründeten und dem Städtchen so zu Wohlstand verhalfen. Nach der privaten Führung im Haus werfen wir noch einen kurzen Blick in die aktuelle Bodega und machen uns auf den Weg in Richtung Osten. Wir wissen, dass die Strecke nach Cordoba zu lang ist um sie in einem Stück zu schaffen, daher haben wir den Nationalpark Sierra de las Quijadas als Platz für die Nacht ausgeguckt. Auf der Fahrt quält uns die Hitze, bis das Wetter sich zu ändern beginnt. Nach einigen kurzen Metern Blindflug durch Sand, der vom stärker werdenden Wind auf die Fahrbahn geblasen wird, braut sich am Himmel viel Dunkles zusammen. Der Wind zieht heftig an unserem Bus und dann geht es auch schon los, ein nicht enden wollender Lärm als Rosenkohl-große Hagelbrocken auf den guten Ben prasseln. Nachdem es in der Nacht noch zwei Wiederauflagen des Gewitters mit vielen Blitzen und Donner gab, war von Hitze nicht mehr viel zu spüren.
Donnerstag, 4. Dezember 2014
Santiago
Wir sind zurzeit in Santiago de Chile und haben unser rollendes Zuhause gegen ein Domizil im Stadtteil Las Condes eingetauscht. Hier wohnen Alban und Maren mit ihrer kinderreichen Familie und haben uns die Tür zu ihrem Zuhause geöffnet. Jasper ist ganz vernarrt in den sechsjährigen Lucian und ist schon morgens im Pool zu finden, wo er rumplanschen kann. Alban ist Leiter des LBI, einer kleinen deutschprachigen Pädagogischen Hochschule, die einst durch eine Initiative der Deutschen Schulen in Chile gegründet wurde, um die Lehrerausbildung in enger Verzahnung mit dem Schulalltag praxisnah aufzubauen. Wir genießen unseren Aufenthalt hier sehr und fühlen uns in der Großfamilie total wohl. Die Innenstadt von Santiago haben wir gestern erkundet, haben leckerste Empanadas zu uns genommen und ich wurde vom chilenischen Fernsehen interviewt. Die Plaza de Armas wurde neu gestaltet und soll in Kürze freigegeben werden, am gesterigen Tag wurden Passanten zu ihrer Meinung befragt, ob die Neugestaltung eine gelungene sei.
Während wir die heißen chilenischen Sommertage im schattigen Garten verbringen, ist unser Ben in der Werkstatt, weil wir seit Bolivien eine nur noch z.T. funktionierende Automatikschaltung haben. Manuelles Schalten funktioniert super, aber das mit der Automatik war schon eine feine Sache... Davon hängt es nun ab, wie viel Zeit wir in Santiago haben, andererseits haben wir bis Mitte Januar auch noch einige Kilometer vor uns, so dass wir hoffen, bald wieder weiterziehen zu können. Heute Abend stehen Weihnachtsmarkt und Adventssingen in der Deutschen Schule Santiago auf dem Plan, mal sehen, wie sich dass bei 30-40°C so anfühlt!
So, wir sind zurück vom Weihnachtsmarkt, und es war sehr schön, auch wenn sich beim Anblick hunderter FlipFlops und Sommerkleider kein Weihnachtsgefühl einstellen wollte. Der Markt war super, es wurden neben Kuchen und Plätzchen Keramik, Textilien, Deko-Artikel und so weiter angeboten, viele Eltern und noch mehr Kinder wuselten im Hof der Schule herum. In der Aula/Turnhalle gab es das Adventssingen, der Musiklehrer kämpfte fröhlich gegen den nie ganz abebbenden Lärmteppich an, der zwischen den Stuhlreihen und ansteigenden Rängen herumwaberte. Das Finale nach 21 Liedern war natürlich "Stille Nacht, heilige Nacht", bei dem in der Halle hunderte Kerzen angezündet wurden und das Deckenlicht ausgeschaltet wurde. An dieser Stelle ergeht ein herzlicher Gruß an Jürgen Meyer, dem bei dem Anblick dieser vielen offenen Flammen in der Halle bestimmt ganz anders geworden wäre!
Der Freitag beginnt frisch, man könnte sagen eisig kalt, denn nach den vergangenen heißen Tagen kann sich die Sonne nicht durch die Wolkendecke arbeiten. Wir spazieren durch Las Condes und besuchen das Pueblito Los Dominicos, eine alte Klosteranlage, in den nun Kunsthandwerk und Cafes ihre Heimat gefunden haben. Auch ein großer Geflügelkäfig ist zu sehen, wo uns ein Pfau mit seinem Federkleid mächtig beeindruckt. Den Aussichtspunkt, um Santiago von oben zu sehen, schenken wir uns, da die Smogglocke, die über der Stadt hängt, die Sicht auf wenige hundert Meter reduziert. Am Freitagnachmittag können wir unseren Ben aus der Werkstatt abholen, das Handicap mit der Schaltung ist nicht behoben, dafür gab es Öl- und Filterwechsel (und vergessene Papiere, wie sich später rausstellen sollte). Am kommenden Morgen wollen wir weiterreisen und der tolle Aufenthalt bei Maren und Alban geht seinem Ende entgegen. Doch ein Highlight gibt es noch: Die Kinder putzen alle fleißig ihre Schuhe und stellen sie vor die Tür, denn der Nikolaus nimmt auch den weiten Weg nach Santiago de Chile auf sich. Jasper putzt zum ersten Mal seine Schuhe zu diesem Zweck und ist doch recht konsterniert, als Marian ihn auffordert, den Schuh dann vor die Tür zu stellen. Am nächsten Morgen dann weiß er zu schätzen, warum Marian ihn dazu drängte. Doch auf dem Weg zur Nikolausüberraschung gibt es ein Hindernis: Es hat vier Beine, heißt Finja und scheut nicht davor, sich in Nullkommanix 5 Schoko-Nikoläuse samt Verpackung einzuverleiben! Nach einem SOS-Brief von Lucian an den Nikolaus ist alles gut, der hat seine Reserven, mit denen er die Kinder erfreuen kann. Nach einem gemeinsamen Frühstück verabschieden wir uns von Maren, Alban, Juliane, Felipe, Marian, Lucian und Celian (und Finja), die uns herzlich in ihr Haus aufgenommen haben und mit denen wir bezaubernde Tage in Santiago verbracht haben. Wir machen uns über den serptentinigen Paso de los Libertadores auf den Weg in das 6. Land unserer Reise: Argentinien!
Conclusio Chile: Uns wurde gesagt, dass das "wahre Chile" erst südlich von Santiago beginne, so dass wir lediglich einen ersten Eindruck wiedergeben können. Chile hat einen Wirtschaftsboom erlebt, zum Teil auf den reichhaltigen Bodenschätzen der Atacamawüste begründet. Dieser öde wirkende Flecken führte zuerst dazu, dass die Spanier Chile gar nicht kolonialisieren wollten, später hauten sich Peruaner, Bolivianer und Chilenen im Salpeterkrieg die Köpfe ein, um diese Ressourcen zu sichern. Mit diesem Boom einhergehend, kann man in Chile an vielen Stellen die Vorteile einer wohlhabenden Nation erleben: guter Straßenzustand, stabile Internetverbindungen, reichhaltiges Lebensmittelangebot. Andererseits sind damit auch merklich die Preise für Kraftstoff und Lebensmittel gestiegen. Das Reisen in Chile ist im Vergleich zu den bisherigen Ländern recht teuer. Doch auch innnerhalb der Bevölkerung gibt es große Unterschiede: Es herrscht eine große Kluft zwischen dem kleinen wohlhabenden Teil und dem großen Teil, der lediglich mehr oder weniger über die Runden kommt. Infolgedessen hat sich auch das Kriminalitätsproblem (insbesondere in Santiago) vergrößert. Sehr spannend für uns ist die Rolle der "deutschstämmigen" Bevölkerung in Chile. Im 19. Jahrhundert gab es einen regen Zuzug und - man glaubt es kaum - bei dem Anblick von chilenischem Oktoberfest und dem Hören deutscher Weihnachtslieder (inklusive den Berichten von teils recht(s) konservativen Ansichten dieser Gruppe) darf man sich schon einmal fragen, was hier eigentlich die Leitkultur in Chile ist. Und wie groß ist der Integrationswille so mancher Deutschen? Wer möchte, kann gerne einmal googlen, wie die Fahne DES Sportclubs in der Stadt, Sportclub Manquehue, aussieht. Irgendwie wirkt es wie historisch daneben gegriffen, recurriert aber auf das, was Markus im vorangegangenen Satz andeutete. Richard von Weizäcker weigert sich damals beim Staatsbesuch, den Club zu betreten, wenn die Fahne gehisst bliebe - so ging der hohe Besuch am Traditionsclub vorbei.
... bis "V" wie Valparaiso
Unser nächstes Ziel heißt La Serena und unterscheidet sich zur Hochsaison kaum von Benidorm & Co. Noch ist es ruhig, bevor hier Mitte Dezember der Bär steppt. Wir kommen am Nachmittag an und sind etwas erschöpft nach einem langen Tag, stürzen uns in die nächste Mall, um einige Einkäufe zu tätigen und kurven dann wie gehabt durch die Gegend, um einen Platz zu finden. Wir sind im vierten Anlauf erfolgreich und quartieren uns auf einem Campground ein, wo jeder Parzelle ein privates Bad zugeordnet ist, sehr schön. Von La Serena erstreckt sich das Valle Elqui ins Landesinnere, das für seine vielen Sternwarten bekannt ist und auch für guten Pisco (Schnaps, der unserem Trester ähnelt). Im Tal scheint an 300 Tagen im Jahr die Sonne von einem strahlendblauen, wolkenfreien Himmel, beides die Voraussetzung für Observatorien und Trauben - müßig zu mutmaßen, wie das Wetter bei unserem Aufenthalt war.... Mit dicken Fleecepullis und Jacken ausgestattet erhalten wir keine Tickets am Schalter, weil das Observatorium wegen des schlechten Wetter nicht geöffnet ist!
Wir machen dennoch eine Fahrt nach Vicuña im Elqui-Tal, wo wir einen passablen Ort mit gutem Mittagessen, eine mittelschlechte Führung in der Pisco-Destille und eine tolles Rodeo-Turnier antreffen. Die Rodeo-Reiter zu beobachten macht Spaß, auch wenn der Spaß für die gejagten Rinder weniger groß sein dürfte. Jasper findet es toll, weil die Kühe immer "ausbüchsen"... Im Tal finden wir am Abend einen tollen Campingplatz, wo Jasper die ca. 13jährigen Zwillinge der Besitzerfamilie für sich in Beschlag nimmt.
Wir fahren am nächsten Morgen weiter nach Süden und erreichen am Nachmittag Valparaiso, einst größter Hafen und auch heute noch mit zahlreichen Containerschiffen versehen, die 'Hamburg Süd' liegt an prominenter Stelle vor Anker. Die Stadt erstreckt sich über unzählige Hügel, besitzt tausende kleine und große Grafitti-Galerien und wartet mit alten Steilaufzügen, die einen rumpelnd den Berg hinauf oder hinab transportieren. Wir wandern durch die Sträßchen und genießen ein tolles Essen über den Dächern der Stadt mit Blick auf den Pazifik. Nach einem schönen Sightseeing-Tag sammeln wir unsere frisch gewaschene Wäsche ein und verlassen die Stadt in Richtung Isla Negra. Wir entscheiden - in Ermangelung eines Campgrounds - einen Rastplatz an der Autopista anzusteuern, die hier in Chile mit erstklassigen sanitären Anlagen ausgestattet sind. Die heiße Dusche ist großartig, und so schlummern wir und der Ben zwischen allen den großen Fahrzeugen.
Mittwoch, 3. Dezember 2014
Von 'A' wie Antofagasta....
Wir lassen Calama hinter uns und erreichen nach einer langen Fahrt Antofagasta, große Hafenstadt am Pazifik. Der erste Stopp gilt La Portada, einem Felsentor vor der Küste, dann fahren wir - vorbei an einer Würth-Niederlassung (an dieser Stelle grüßen wir Alex herzlich!) in die Innenstadt. Wir bummeln durch die Straßen rund um die Plaza Mayor, finden in der Fußgängerzone ein schmackhaftes Mittagessen und widmen den Rest des Nachmittags der Suche nach einem Campingplatz. Leider ist es weder das erste, noch das letzte Mal, dass die Suche nach einem Platz Zeit und dadurch Nerven kostet. Im Norden Chiles sind Campingplätze eine Rarität, obwohl wir hier viel mehr einheimische Campingmobile sehen als in allen Ländern zuvor. So endet unsere Suche am Playa Paraiso, der uns erst zum Sonnenbaden und nachher mit der Dusche lockt. Unser Parkplatz an der Promenade befindet sich direkt neben der Stelle, wo sich abends Musiker zum Freiluft-Musizieren treffen, was zu einem privaten Konzert während des Abendessens wird. Später verlegen sie sich darauf, vor allem ein Stück zu üben - da hätten wir dann nichts mehr gegen einen Umzug der Gruppe einzuwenden gehabt! Am Morgen lernen wir, dass der 24 Stunden-McDonalds hier erst um 10 Uhr öffnet und dass es super Frühstücksangebote an der Petrobras-Tankstelle gibt - falls das mit dem 24h-Service anderswo auch mal nicht hinhauen sollte. Wir düsen durch die Wüste zur Mano del Desierto, die 1992 vom chilenischen Künstler Mario Irarrázabal erschaffen wurde. Nach einem lustigen Fotoshooting mit einer chilenischen Frau ziehen wir weiter in Richtung Bahía Inglesa, einem kleinen Badeort am Pazifik. Die Fahrt durch die öde felsige Wüstenlandschaft wird wie so oft durch kleine Kunstwerke und Tempel rechts und links der Straße begleitet, die uns immer wieder erstaunen, denn sie sind z.T. wirklich riesig und fantastisch geschmückt. Der Anlass ihrer Errichtung ist weniger erbaulich, denn es handelt sich um Gräber derer, die an der Straße verunglückt sind, treffenderweise bezeichnet Jasper sie als 'kleiner Friedhof'. Am späten Nachmittag erreichen wir Bahía Inglesa und sind selbst überrascht davon, denn wir waren uns nicht sicher, ob wir diese vielen Kilometer an einem Tag schaffen würden. Wir finden einen großen Zeltplatz mit Duschen, Spielplatz, Grillplätzen und allem drum und dran, nur an Gästen mangelt es noch, denn die Urlaubssaison beginnt hier erst Mitte Dezember. So teilen wir uns mit sehr wenigen den weitläufigen Platz, was ein bißchen spooky ist. Allerdings sorgen diese paar Gäste für recht viel akustische Unterhaltung (Junggesellenabschied?).
Sonntag, 23. November 2014
Iquique und die lange Fahrt durch die Wüste
Wir gönnten uns einen weiteren Tag in Iquique und erkundeten die Innenstadt. Jasper war von dem großen Springbrunnen auf der Plaza Prat ganz angetan, uns gefiel die Fußgängerzone, die von Holzhäusern wie aus einer Westernstadt gesäumt war. Das Highlight war der improvisiert anmutende Fischmarkt, wo sich eine Reihe von Seelöwen und Pelikanen angesammelt hatten - warum selber jagen gehen, wenn es auch einfacher geht?
Jasper, der sich durch großen Geiz und Zurückhaltung auszeichnet, wenn es um die Vergabe von Küßchen an seine durchaus als attraktiv zu bezeichnenden Eltern geht, knutscht die Camplingplatzbesitzerin, nachdem diese ihm Spielzeugflugzeuge schenkte. Was das Autofahren in Chile betrifft, so ist auch das wie Zuhause: Gehupt wird nur im Notfall, rote Ampeln sind richtig rot und an Zebrastreifen wird angehalten - dass bedeutet für uns nach 4 Monaten eine kleine Umstellung! Außerdem ist Chile das erste der südamerikanischen Länder, in dem wir häufig solarbetriebene Straßenbeleuchtung sehen und auch das ein oder andere Feld von Windrädern. Auf dem Weg durch die Atacama-Wüste, die als die trockenste der Welt gilt und sich über den Norden des 4300km "langen" Landes ersteckt, sehen wir außer einigen Sandtornados nicht viel, bis wir Chucuicamata passieren: die größte Kupfermine der Welt. Wir fragen beim Tanken den Tankwart, ob es einen Aussichtspunkt gäbe, von wo man die Mine sehen kann. Wir folgen seiner Beschreibung und biegen nach kurzer Fahrt unwissentlich auf das Privatgelände der Mine ab, vorbei an riesigen Bergbau-LKW, deren Räder allein schon so groß sind wie unser Bus hoch ist. Dass wir dort, wo wir sind, gar nicht sein dürften, darauf weisen uns zwei mit Blaulicht heranrauschende Mitarbeiter der Bergbaufirma hin! Mit Blaulicht werden wir zum Ausgang eskortiert, man wünscht uns eine gute Fahrt und schon sind wir wieder auf der Straße. Chile verdankt den größten Teil seines Wohlstands dem Bergbau, allen voran dem Abbau von Kupfer (55% der chilenischen Exporte sind Kupfer), und wir werden auch in den folgenden Tagen immer wieder viele, viele Minen passieren.
Am Nachmittag erreichen wir dann San Pedro de Atacama (auf ca. 2500m), ein 5000 Seelen-Dorf, dass sich ganz dem Tourismus hingibt. Hier erfahren wir, dass es Kindern unter 7 Jahren angeblich gesetzlich verboten ist, die Sonnenaufgangstour zum Geysir El Tatio zu machen, weil es in kurzer Zeit zu weit hoch und wieder runter ginge. Unser Hinweis, dass wir durch Peru und Boliven gereist sind und oft innerhalb weniger Stunden viele tausend Höhenmeter zurücklegten, zählt nicht. Chilenen sind ja so preußisch! So beschließen wir, dass Markus am übernächsten Tag alleine um 4:30 Uhr morgens an der Tour teilnimmt (später mehr dazu). Den Abend verbringen wir am Mirador des Valle de la Luna, wo der Sonnenuntergang nur halb so spektakulär ist wie erwartet, dafür gibt es sehr angenehme Gesellschaft: Schon tagsüber fielen uns VW-Fahrzeuge mit Braunschweiger Kennzeichen auf, deren Fahrer wir nun kennenlernten. Ein Team aus der Abteilung Forschung und Entwicklung hat die Aufgabe, neue Fahrzeug zu testen, und es gäbe kein Land, in dem sich in kleinen Radius so viele Testregionen abbilden lassen wie hier. So hat VW 57 Fahrzeuge hierher geflogen, damit die anwesenden Ingenieure und Techniker die Motoren auf ihre Hitze-, Kälte- und Höhentauglichkeit testen. Ich glaube, ich habe einen Traumjob für das nächste Leben gefunden! Der Abend mit Jörg und seinen Mitarbeitern ist super - zum Abschied erhalten wir den Wink mit dem Zaunpfahl, dass unser nächster Bus dann aus Wolfsburg kommen sollte - und fortan winken wir ekstatisch, wann immer Braunschweiger VWs unseren Weg kreuzen.
Nach einer windigen Nacht im Valle brechen wir am Morgen auf zu den Lagunen, von denen es viele im Altiplano gibt und die rundherum von Vulkanen gesäumt sind. Chile liegt im sog. Ring of Fire, eine Zone hoher seismischer Aktivität, da hier die südamerikanische und die Nazsca-Platte aufeinander treffen. So kommt Chile zu unglaublich vielen Vulkanen (10% der Vulkane der Welt liegen hier), von denen 150 aktiv sind und dies durch z.T. imposante Rauchfahnen unter Beweis stellen. Die hoch gelegenen Lagunen im Salar de Atacama sind Zuflucht für viele Zugvögel, die hier überwintern sowie für einige Flamingo-Arten, die im salzigen Wasser nach ihrer Leibspeise Brine-Shrimps fischen. Die langbeinigen Gesellen kann man von Nahem beobachten, wenn man zur Lagune Chaxa fährt. Dort haben wir sie auch erstmals fliegen sehen, meist zu zweit, denn Flamingos leben monogam.
Auch wenn das mit der Höhe sich als nebensächlich herausstellte, so war es richtig, Jasper nicht mitzunehmen. Die Geysir-Tour startet früh um 4:30 Uhr und beginnt mit einer zweistündigen Ruckelfahrt über Schotterpisten zum Geysirfeld El Tatio, eines der höchsten der Welt. Zwischen 6 und 8Uhr raucht, sprudelt und blubbert es kräftig aus vielen Erdlöchern und es ist schweinekalt, ca. -7°C. Wasser kocht aufgrund der Höhe hier schon bei 85°C, und es ist kaum zu glauben, dass in den Wasserlöchern Bakterien leben, die Temperaturen von 85°C und mehr vertragen können. Nachdem die Sonne sich ihren Weg gebahnt hat und ein Frühstück serviert wurde, wird es warm und die Tourteilnehmer lassen sich zu einem Bad in dem ca. 30°C warmen Thermalbecken hinreißen, ein willkommener Kontrapunkt zum frostigen Tagesstart. Anschließend setzt sich die Tour fort, macht hier und da noch einen Fotostopp sowie den obligatorischen Souvenir-Stopp in einem der Altiplano-Dörfer. Am späten Vormittag kehrt Markus zurück und wir machen uns auf den Weg zurück nach Calama, wo wir im Supermarkt auf Lamberto aus Italien treffen, der auch auf dem Campingplatz wie so oft unser Nachbar sein wird.